Drei Niederlagen in Folge sind an sich noch kein Beinbruch. Vor allem, wenn diese gegen favorisierte Gegner passieren und sie obendrein kaum nennenswerte Auswirkungen auf die Tabellenposition haben. So geschehen bei der MT Melsungen. Dennoch versucht man beim nordhessischen Flaggschiff den jüngsten Misserfolgen genauer auf den Grund zu gehen. Schließlich steht schon am Mittwoch mit dem Heimspiel gegen GWD Minden die nächste Pflichtaufgabe auf dem Programm (20.15 Uhr, Rothenbach-Halle Kassel).
Entscheidend ist das Wie
Es ist die Art und Weise, wie sich die Mannschaft in den betreffenden Spielen gegen Gummersbach, Magdeburg und zuletzt bei den Rhein-Neckar-Löwen präsentiert hat, die Anlass zum Nachdenken gibt. Trainer Robert Hedin und Sportchef Alexander Fölker wissen nur zu gut, dass das Auftreten ihrer Schützlinge die Fans zuletzt nicht gerade von den Sitzen gerissen hat. Sie wissen natürlich auch, dass man gegen Mannschaften des genannten Kalibers verlieren darf. Die Frage ist dabei aber stets, wie man verliert.
Wenig Abwehr, kaum Tempo
40:29 leuchtete es am vergangenen Mittwoch auf der Anzeigentafel der SAP-Arena. Die Rhein-Neckar-Löwen jubelten und die MT schlich betrübt von dannen. In einer ersten Stellungnahme direkt nach dem Abpfiff beschränkte sich Trainer Hedin auf die Fakten: “Unser Spiel war in der ersten Halbzeit im Prinzip gar nicht mal so schlecht, wie es vom 13:18-Halbzeitergebnis her den Anschein haben könnte. Wir haben ja eine Reihe von Torwurfchancen heraus gespielt, sie aber leider nicht genutzt. Insgesamt waren zwei Faktoren heute spielentscheidend, zum einen die miserable Abwehr, zum anderen die unglaubliche Fehlerquote. Während wir in normalen Spielen 6 bis 7 technische Fehler produzieren, waren es heute mehr als doppelt soviele. Darüber hinaus haben wir über 25 Fahrkarten geschossen. Wobei man einräumen muss, dass Henning Fritz sehr gut gehalten hat".
MT-Regisseur Vladica Stojanovic wies nach dem Spiel im TV-Interview u.a. auf ein Manko hin, welches sich erst im Saisonverlauf breit gemacht hat: “Neben unserer schlechten Abwehrleistung verlieren wir vorne zu oft die Geduld und werfen unvorbereitet. Außerdem fehlt es bei unserem Spiel an Tempo, was uns vor einigen Monaten noch auszeichnete”.
Konstruktive Aussprache nach "kraftlosem" Auftritt
Dem kraftlosen Auftritt in Mannheim folgte eine intensive und vor allem konstruktive Aussprache. Die MT-Crew wollte nach diesem Spiel nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Also haben sich Spieler, Trainer und sportlicher Leiter gleich am Morgen danach hingesetzt und das Video vom Auftritt in Mannheim nochmals in allen Einzelheiten angeschaut und analysiert. Mehr als drei Stunden hat man sich allein dafür Zeit genommen.
Der Mannschaft die Bilder eines vergeigten Spiels vorzuführen, sieht zunächst nach erhobenem Zeigefinger aus und führt nicht selten dazu, dass sich die Spieler nach einer solchen Maßnahme in fadenscheinige Begründungen flüchten. In diesem Fall trat aber ein ganz anderer, von der sportlichen Führung erhoffter Effekt ein. Die Akteure selbst waren es, die ihr eigenes Verhalten auf dem Spielfeld sehr kritisch durchleuchteten und durch die Videobetrachtung ihre bisherige falsche Einschätzung teilweise revidieren mussten. Sie verstanden auch, warum ihnen von den Fans gerade nach solchen Spielen vorgeworfen wird, nicht alles gegeben zu haben. “Die fehlende Körpersprache lässt oft gar keine andere Interpretation zu”, bringt es Alexander Fölker auf den Punkt, “da müssen einfach wieder mehr Emotionen rein”. “Doch so etwas kann man nicht von oben herab befehlen, dass muss bei jedem einzelnen von innen heraus kommen”, setzt MT-Trainer Robert Hedin auf die Eigenmotivation.
(Ver-)Besserung durch Selbsterkenntnis
Tenor der Spielermeinungen war anschließend, dass das kämpferische Moment, die Aggressivität und das Tempo, was die MT in der ersten Saisonhälfte noch über weite Strecken ausgezeichnet hat, schlichtweg abhanden gekommen ist. So dürfe es nicht weitergehen, wir müssen den Hebel umlegen, lautete die Schlussfolgerung aus der Mannschaft, getreu dem Motto "Selbsterkenntnis ist der erste Weg zur (Ver-)Besserung". Tatsächlich sehen sich die Spieler – egal ob aus der sogenannten ersten Sieben oder aus der Auswechselriege stammend – nun verstärkt in der Pflicht. Und die Chance im Spiel gegen Minden wollen die MT-Cracks beim Schopfe packen und ihre guten Vorsätze in die Tat umsetzen. "Das sind wir allein schon unseren Fans schuldig", weiß Rückraumshooter Daniel Valo. "Und sie sich auch selber als Profisportler", ergänzt Alexander Fölker.
Schon über 3.000 Tickets abgesetzt
Trotz des Termins mitten in der Woche kann sich die MT Melsungen im Spiel gegen GWD Minden auf eine gut gefüllte Rothenbach-Halle freuen. “Dem Vorverkauf nach zu urteilen, werden wir wahrscheinlich sogar die 3.500er Marke knacken”, prognostiziert Sprecher Bernd Kaiser. Am Spieltag gibt es noch Karten in der Kasseler KÖ-Galerie und für Kurzentschlossene werden an der ab 18.45 Uhr geöffneten Abendkasse definitiv noch Tickets bereit gehalten.