HSG Nordhorn : Interview mit Goran Sprem nach dem EHF-Cup-Gewinn: Die HSG Nordhorn ist kein kleiner Verein mehr

_POSTEDBY Jörg Holländer (jhollaender) on Tuesday, 13. May 2008
HSG Nordhorn

Seit rund eineinhalb Jahren spielt dieser quirlige kleine Linksaußen nun für die HSG Nordhorn. Sein Name: Goran Sprem. Seine Referenz: Weltmeister, Olympiasieger und deutscher Pokalsieger. Und seit dem vergangenen Sonntag darf sich der Kroate in Diensten der HSG auch noch EHF-Cup-Sieger nennen. Der 28-jährige Weltklasse-Linksaußen hatte schließlich maßgeblich Anteil an diesem bislang größten Erfolg in der Vereinsgeschichte der HSG. Arnulf Beckmann unterhielt sich mit ihm auf dem Rückweg von Kopenhagen nach Nordhorn.

Hallo, Herr Sprem. Gut geschlafen?
Sprem:
Gut geschlafen habe ich, aber das war einfach zu wenig.

Dann erzählen Sie doch mal: was war denn los in Kopenhagen?
Sprem:
Meinen Sie während des Spiels oder danach?

Sowohl als auch.
Sprem:
Wir haben am Sonntag in Dänemark etwas wirklich Großes erreicht. Vor Saisonbeginn haben wir uns mit der gesamten Mannschaft zusammengesetzt und unsere Ziele für diese Saison definiert. Eins davon war, im Europacup das Halbfinale zu erreichen und dann mal schauen, was noch geht. Im günstigsten Fall wollten wir versuchen, den EHF-Cup zu gewinnen. Das ist uns nun gelungen. Wir stehen am Ende einer wirklich guten Saison.

Wie schwer war es denn, in Kopenhagen den knappen Vorsprung aus dem Hinspiel zu verteidigen?
Sprem:
Es ging. Wir haben eigentlich die gesamte Spielzeit über das Match kontrolliert und Kopenhagen nie die Chance gegeben, unseren Vorsprung aufzuholen. Wir können sicher besser spielen, aber das war schon sehr in Ordnung.

Das haben die Fans offenbar auch so gesehen.
Sprem:
Die Zuschauer aus Nordhorn, die uns nach Kopenhagen begleitet haben – das war schon der Wahnsinn. Ich muss mich ausdrücklich bei den rund 500 Mitgereisten bedanken. Die haben uns so unglaublich unterstützt, das wir das Gefühl hatten, ein Heimspiel zu bestreiten. Unsere Fans waren am Sonntag unser achter Mann.

Wie fühlt es sich denn so an, mit der HSG einen Titel gewonnen zu haben?
Sprem:
So etwas passiert nicht oft. Deshalb war die Freude bei mir und bei allen anderen auch riesig. Man muss sich das mal vorstellen: Zwei Supermannschaften wie Flensburg und Hamburg gehen ohne Titel aus dieser Saison hervor, und die HSG Nordhorn ist Europacupsieger. Wunderbar! Wir haben eine tolle Mannschaft. Auf dem EHF-Cup und in den Siegerlisten wird nun der Name HSG Nordhorn auftauchen, direkt neben so großen Namen wie THW Kiel oder FC Barcelona. Die HSG ist kein kleiner Verein mehr.

Und zudem der einzige deutsche Europacup-Gewinner in diesem Jahr.
Sprem:
Das ist allerdings wirklich überraschend. Zumindest bei Kiel hatte ich fest damit gerechnet, dass der THW die Champions League gewinnt. Jetzt macht es uns natürlich besonders stolz, diesen Pokal gewonnen zu haben. Ich hoffe und glaube ganz fest daran, dass wir diesen Erfolgsweg auch weitergehen werden.

Kommen wir nun zu den Feierlichkeiten. Wie war das denn nach dem Spiel?
Sprem:
Wir waren nach der Siegerehrung noch sehr lange in der Halle, haben mit unseren mitgereisten Fans ausgiebig gefeiert, danach haben wir uns in die Kabine zurückgezogen und ein wenig unter uns gejubelt. Was soll ich sagen? Wir waren gemeinsam essen und haben dann gefeiert bis zum frühen Morgen.

Ist da auch ein gewisser Druck abgefallen, weil die HSG Nordhorn seit Jahren auf ihren ersten Titel wartet?
Sprem:
Einen solchen Druck haben wir überhaupt nicht gespürt. Es war doch erst unsere erste richtige Finalchance. Und die haben wir genutzt. Wenn in Nordhorn nun einer denkt: Endlich haben wir auch mal was gewonnen, dann liegt das lediglich daran, dass Nordhorn eine durch und durch handballverrückte Stadt ist.

In dieser Spielzeit lief sicher vieles besser als es die meisten Experten der HSG vorausgesagt haben. Was ist das Erfolgsgeheimnis?
Sprem:
Wir haben eine Super-Mannschaft, einen Super-Trainer und eine tolle Stimmung im Team. Zudem sind wir weitgehend ohne große Verletzungen durch die Saison gekommen. Auch das ist natürlich immens wichtig.

Auf dem Rathausplatz in Nordhorn kamen gleich mehrere tausend Leute zusammen, die Euch feiern und Euch gratulieren wollten.
Sprem:
Das war noch einmal ein echtes Highlight. Ich möchte mich deshalb an dieser Stelle noch einmal bedanken bei allen, die mitgeholfen haben, diesen Erfolg zu ermöglichen.

Zwei Saisonspiele stehen noch aus, die der HSG noch einmal zwei echte Kracher bescheren: daheim gegen Hamburg und daheim gegen Lemgo. Kann man sich nach dem Europacupgewinn überhaupt noch hinreichend motivieren?
Sprem:
Das ist kein Problem. Sicher werden beide Spiele richtig schwer werden, aber wir spielen beide Begegnungen im Euregium, und da werden wir natürlich alles probieren, um zu gewinnen. Bei diesem Publikum in Nordhorn, fällt es uns wirklich nicht schwer, uns noch einmal zu motivieren.

Goran Sprem in Zahlen
Rückennummer: 17
Geboren: 06.07.1979
Nationalität: Kroatien
Position: Linksaußen
Größe: 1,84 Meter
Spiele 07/08 29
Tore 07/08 91/6
Länderspiele: 120
In Nordhorn seit: 2006