„Wir wünschen uns die Meisterschaft”
Der Mann kam erst spät zum Handball. Heute, mit 65 Jahren verpasst Dieter Matheis kein Spiel seiner Rhein-Neckar Löwen. Doch der ehemalige Finanzchef des Weltunternehmens SAP brauchte bis 1996, um sein Herz für diesen Sport zu entdecken. Aber seither hat er fleißig mitgeholfen, aus dem ehemaligen Dorfverein Kronau/Östringen einen Bundesligisten mit großen Ambitionen zu machen. Was in dieser Saison aus den Rhein-Neckar Löwen wird, verriet er in einem Gespräch mit Arnulf Beckmann.
Sind die Rhein-Neckar Löwen für die kommende Spielzeit gut aufgestellt?
Matheis: Was wir haben ist, dass wir auf jeder Position doppelt besetzt sind. Ich gehe fest davon aus, dass das Team als Einheit auftreten wird und wir damit ein Kandidat für einen platz unter den ersten Drei sein werden. Unsere großen Konkurrenten sind die Teams aus Kiel und Hamburg. Vor allem der HSV hat richtig stark aufgerüstet.
Reicht es da, wenn die Löwen mit Gudjon Valur Sigurdsson und Jan Filip lediglich auf den Außen mit großer internationaler Klasse nachlegen?
Matheis: Sigurdsson und Filip sind absolute Topleute. Darüber hinaus steckt schon immens viel Qualität in der Mannschaft. Unser langfristiges Ziel aber ist es, junge Spieler behutsam an die Bundesliga heranzuführen. Sicher mussten wir in einer ersten Phase erst einmal in Mannschaft und Umfeld investieren, weil ein Umzug in die SAP-Arena keinen Sinn gemacht hätte, wenn wir nur um Platz 15 spielen würden. Aber auf Dauer wollen wir unsere ohnehin erfolgreiche Jugendarbeit, aus der – das dürfen Sie nicht vergessen – in den vergangenen Jahren so großartige Spieler wie Christian Zeitz, Uwe Gensheimer oder Patrick Groetzki hervorgegangen sind, weiter intensivieren.
Wie wollen Sie das angehen?
Matheis: Wir haben aus diesem Grund in Kronau ein Leistungszentrum eröffnet, in dem wir Jugendarbeit mit entsprechender sozialer Verantwortung betreiben. Das heißt, der Nachwuchs wird nicht nur trainiert, sondern wir kümmern uns auch darum, dass der Schulabschluss gemacht wird.
Also ein richtiges Sportinternat?
Matheis: Wir haben eine Herbergsmutter, die sich um vieles kümmert, es gibt Essen nach der Schule, die Halle ist lediglich eine Minute gegenüber des Internats. Im Moment machen das 12 Jugendliche, die in diesem Vollzeitinternat leben. Wir haben darüber hinaus mit den Fußballern von Hoffenheim die Initiative „Anpfiff fürs Leben” gegründet, damit junge Leute nicht nur gute Sportler werden, sondern auch gute Menschen. Heiner Brand hat immer wieder gefordert, etwas für die Jugend zu tun. Wir nehmen das hier sehr ernst. Sie wissen selbst, dass es nicht jedes Talent schafft. Aber wenn es nichts wird mit der großen Sportlerkarriere bekommt er bei uns immerhin einen Schulabschluss. Ich verhehle nicht, dass wir natürlich brauchbare Bundesligaspieler ausbilden wollen, aber wir vergessen auch nicht die andere Seite.
Dennoch brauchen Sie die Bundesliga-Handballer als Vorbilder. Reicht es schon zum Titel für die Löwen?
Matheis: Wir wünschen uns die Meisterschaft, das wäre schön. Aber das muss man abwarten. Zunächst einmal ist es unser Ziel, attraktiven Offensivhandball zu spielen. Jetzt dürfen wir sogar noch die Champions League spielen. Wenn wir die Qualifikationshürde Dudelangen nehmen, möchten wir auch auf europäischer Ebene so weit wie möglich kommen. Und wir wären natürlich gern beim Final Four in Hamburg dabei.
Der Aufschwung ist offenbar in vollem Gange. Immerhin wurden Sie für ein paar Tage sogar mit Ivano Balic, Welthandballer des Jahres 2006, in Verbindung gebracht.
Matheis: Das ehrt uns natürlich sehr, aber wir haben definitiv nicht mit ihm verhandelt. Es hat keine Gespräche gegeben, aber es zeigt uns, dass wir in der Handballwelt in aller Munde sind. Man sieht das auch daran, dass die Sponsoren der Region uns wirklich annehmen.
Sie haben soeben noch einen richtig guten Deal eingefädelt.
Matheis: Die „KASI-Gruppe”, ein Unternehmen mit Hauptsitz in Kopenhagen wird bei uns Trikotsponsor. Aber wir wollen dieses Geld nicht in neue Spieler investieren. Und dann ist da natürlich auch noch die SAP-Arena, die ein richtiges Juwel ist. Und wir sind ganz sicher ein tolles Zugpferd für die Halle.
Wollen Sie auf Sicht dem THW Kiel Konkurrenz machen?
Matheis: Ja, das ist unser klares Ziel. Wir wollen uns auf ähnlichem Niveau etablieren. Aber ich sage auch dazu: einen ersten Platz, also eine Meisterschaft, kann man nicht planen. Da muss vieles passen.
Über ihr Engagement für die Löwen hinaus arbeiten Sie im Aufsichtsrat der TOYOTA Handball-Bundesliga mit. Welche Schwerpunkte haben Sie sich da gesetzt?
Matheis: Neben den klassischen Themen möchte ich darauf hinwirken, dass die Liga vermehrt zu einheitlichen Anwurfzeiten kommt. Das ist nicht ideal und sicher auch sponsorenunfreundlich. Allerdings weiß ich auch, dass das nicht von heute auf morgen geht. Auch das Thema „Abstellung von Spielern” ist etwas, was mich bewegt. Die Löwen haben beispielsweise gleich neun Spieler freistellen müssen für Olympia und die damit zusammenhängende Vorbereitung. Diese Spieler haben uns Ende Mai verlassen und werden erst ende August wieder zurückkehren. In der gesamten Zeit zahlen wir deren Gehälter aber weiter. Die Nationalmannschaft ist äußerst wichtig, aber wir müssen gemeinsam überlegen, wie wir dieses Thema sinnvoll lösen können. Und ein weiteres Thema ärgert mich immer wieder: die viel zu kurze Halbzeitpause. Ich plädiere dafür, beim Seitenwechsel mindestens 15 Minuten zu pausieren, damit die Fans in Ruhe ihr Bier und ihre Bratwurst kaufen können und nicht erst dann zum platz zurückkehren, wenn das Spiel schon wieder einige Minuten läuft.
Insgesamt hat sich die Liga in den vergangenen Jahren toll entwickelt. Wohin kann der Weg noch führen?
Matheis: Ich glaube nicht, dass das Potenzial der Liga schon ausgeschöpft ist. Gerade erst mit dem Umzug in die großen Arenen sind die Vereine für Sponsoren und Fans wirklich interessant geworden. Genau dort gibt es für viele Vereine noch jede Menge Luft nach oben.
Das beurteilt Ligasponsor TOYOTA offenbar ebenfalls so. Der Vertrag wurde frühzeitig um drei Jahre verlängert. Ein sicheres Indiz für die Richtigkeit der gegenwärtigen Entwicklung?
Matheis: Ich finde das sehr positiv. TOYOTA ist der größte Autohersteller weltweit. Und wenn der befindet, dass das erste Jahr gut war und dass er mit uns weitermachen möchte, dann ist das toll. Aus Sicht der Vereine ist das zudem fixes Geld, mit dem sie rechnen können.