„Ich muss mich erst mal in der Liga etablieren”
Der Mann ist gerade einmal 18 Jahre alt und trägt doch schon die Hoffnung der Handballfans hierzulande. Steffen Fäth kehrte vor wenigen Wochen als Jugendeuropameister aus der Slowakei zurück und darf sich nun darauf freuen, ganz allmählich auf eine Bundesligakarriere vorbereitet zu werden. Der wertvollste Spieler des EM-Turniers in Brünn ist ein gebürtiger Frankfurter und spielte noch bis vor einem Jahr für seinen Heimatverein VfL Goldstein, bei dem er schon im zarten Alter von sechs Jahren anheuerte. In dieser Saison bezahlen ihn die Rhein-Neckar Löwen, inklusive eines Zweitspielrechts für die SG Wallau. Arnulf Beckmann unterhielt sich mit dem Talent.
Es ist zwar schon ein paar Wochen her, dennoch noch einmal herzlichen Glückwunsch zum Titel des Jugend-Europameisters. Haben Sie gut gefeiert?
Fäth: Na ja, wir hatten ja noch eine Nacht im slowakischen Brünn und haben dort mit der Mannschaft gefeiert. Und als Belohnung hatte ich dann noch ein, zwei freie Tage nach meiner Rückkehr. Im Rahmen des Freundschaftsspiels meiner beiden Vereine, der SG Wallau und den Rhein-Neckar Löwen, bin ich dann auch noch offiziell geehrt worden: mit einer Lautsprecherdurchsage und mit einem kleinen Präsent.
Sie sind darüber hinaus zum Most valuable Player der Europameisterschaft gewählt worden. Ist das für Sie der Startschuss für die ganz große Karriere?
Fäth: Nein, so sehe ich das gewiss nicht. Für mich war das lediglich das Tüpfelchen auf dem I, mehr nicht. Persönlich lege ich nicht so furchtbar viel wert auf solche Auszeichnungen. Klar, es macht mich schon ein wenig stolz, aber viel, viel wichtiger ist doch der Titel mit der Mannschaft.
Haben Sie denn auch das frühe Olympia-Aus der Nationalmannschaft mitverfolgt?
Fäth: Das haben wir zwar mitbekommen, aber von den Spielen selbst haben wir nicht viel sehen können. Das Team hatte es sicher ganz schwer, nachdem sich so viele Spieler verletzt hatten. Das war dann nicht mehr zu kompensieren. Ich würde selbst auch mal gerne da mitspielen, aber das wird sicher noch einige Zeit dauern.
Bundestrainer Heiner Brand wollte nach Olympia doch einige personelle Änderungen vornehmen. Hat er sich noch nicht bei Ihnen gemeldet?
Fäth: Bis jetzt gab es da noch keinen Kontakt. Ich muss mich schließlich auch erst mal in der Liga etablieren.
Sie stehen sowohl im Kader des Zweitligisten SG Wallau als auch beim Bundesligisten Rhein-Neckar Löwen. Bei welchem Verein haben Sie denn nun Ihr Zweitspielrecht?
Fäth: Bei den Rhein-Neckar Löwen stehe ich unter Vertrag und ich nehme für die SG Wallau mein Zweitspielrecht wahr. Ich soll mich über Einsatzzeiten in der zweiten Liga weiterentwickeln.
Ist es denn realistisch, dass Sie mit 18 Jahren in einem Starensemble wie den Löwen Ihre Spielanteile in der 1. Liga bekommen werden?
Fäth: Einsatzzeiten in der Bundesliga sind gegenwärtig wohl eher unwahrscheinlich, da ich mit Karol Bielecki und Sergej Harbok zwei Weltklasseleute vor meiner Nase habe. Aber in letzter Konsequenz müssen das meine beiden Trainer entscheiden. Hauptsächlich ist es wichtig für mich, auf Erstliganiveau zu trainieren, wie das dann mit den Spielen läuft, werden wir sehen.
Auf Ihrer Stammposition im linken Rückraum steht – auch wenn er gerade verletzt ist – als unangefochtene Nummer eins ein Mann wie Pascal Hens. Ist das ein Vorbild für Sie oder haben Sie andere?
Fäth: Ich habe da kein spezielles Vorbild. Im Gegenteil: Ich schaue mir von vielen Spielern immer das Beste ab. Es gibt aber schon zwei Spielerpersönlichkeiten, die mich zutiefst beeindrucken. Das sind natürlich Olympiasieger Nikola Karabatic und Islands Olafur Stefansson.