Zebras galoppieren, Hamburger straucheln
Eine dramatische Tempojagd, ein sensationeller Außenseitererfolg und jede Menge packende Szenen in den bisher sieben Partien des Wochenendes: In der vom 14. Spieltag der TOYOTA Handball-Bundesliga vorgezogenen Begegnung der Rhein-Neckar Löwen gegen den THW Kiel erlebten 9051 Zuschauer in der Mannheimer SAP-Arena das erste Gipfeltreffen der Saison und ein faszinierendes Duell, in dem gleich 82 Tore für die Entscheidung erforderlich waren.
Unter der Leitung der Olympiafinal-Schiedsrichter Frank Lemme und Bernd Ullrich setzte sich der Deutsche Meister und Pokalsieger Kiel, der erneut auf den verletzten Welthandballer Nikola Karabatic verzichten musste, bereits Mitte der zweiten Halbzeit deutlich ab, geriet gegen die kämpfenden Löwen aber noch einmal in Gefahr. Erst der kurz vor Schluss für den starken Torwart Andreas Palicka wieder eingewechselte Olympiasieger Thierry Omeyer rettete den Zebras mit einer Parade den 42:40 (23:21)-Erfolg. Überragender Akteur war THW-Kapitän Stefan Lövgren, der 18 Tore (davon acht Siebenmeter) erzielte und den legendären Rekord von Jerzy Klempel (am 4. Juni 1983 sogar 19 Tore für Frisch Auf Göppingen gegen den TuS Hofweier) nur knapp verpasste. Bester Werfer für die Löwen war der Isländer Gudjon Valur Sigurdsson (9/3).
Die große Sensation ereignete sich jedoch im Westen: Aufsteiger TSV Dormagen, der zum Auftakt der Saison bereits bei Meister Kiel mit einem Remis für Furore gesorgt hatte, überrumpelte in eigener Halle den Champions-League-Halbfinalisten HSV Hamburg mit 28:26 (15:15). Der Meisterschaftsanwärter führte nur bis zum 3:2 in der 4. Minute – anschließend behaupteten die von Kai Wandschneider trainierten Dormagener Männer beharrlich einen kleinen Vorsprung. Der Niederländer Michiel Lochtenbergh erzielte das letztlich entscheidende Tor, und Blazenko Lackovic gelang nur noch der Anschlusstreffer. Beste Werfer waren Kjell Landsberg und Christoph Schindler sowie auf Seiten der Gäste Torsten Jansen und Bertrand Gille (alle fünf).
Erfolgreich reagierte der SC Magdeburg auf das 21:33 in Kiel und behauptete daheim mit einem 35:34 gegen den TV Großwallstadt ein Platz im Kreis der Top-Teams. Der Grieche Alexandros Vasilakis erzielte mit seinem fünften Tor 15 Sekunden vor Schluss zum 35:33 die Entscheidung. Bester Werfer des SCM war Fabian van Olphen (6), für die Gäste traf Linkshänder Michael Müller siebenmal.
In der Night-Session behauptete die SG Flensburg in Kassel mit einem souveränen 38:32 (19:15) gegen MT Melsungen die Tabellenführung in der TOYOTA HBL. In der späten Partie, die erst um 21 Uhr begann, waren Thomas Mogensen und Johnny Jensen jeweils siebenmal für die Norddeutschen erfolgreich. Melsungens Rechtsaußen Savas Karipidis gelangen zehn Tore.
Nach vier Spieltagen liegt Melsungen nur aufgrund des besseren Torverhältnisses vor den ebenfalls mit vier Niederlagen gestarteten HBW Balingen-Weilstetten, TUSEM Essen und Stralsunder HV auf Platz 15. Dabei hatte Balingen gegen den VfL Gummersbach in der Lanxess-Arena sogar lange auf einen Auswärtssieg hoffen dürfen, führte nach 42 Minuten mit 21:18, musste sich jedoch mit 26:29 geschlagen geben. Essen unterlag nach bemerkenswertem Auftritt in Hamburg den Füchsen Berlin (mit elf Toren des Norwegers Kjetil Strand) indes klar mit 30:37. Stralsund führte gegen die HSG Nordhorn lediglich mit 1:0, doch danach eilte der EHF-Cup-Sieger mit 13 Toren von Bjarte Myrhol auf 37:22 davon.