Frisch Auf! Göppingen : Gerd Hofele (Geschäftsführer Frisch Auf Göppingen) im Interview

_POSTEDBY jhollaender (jhollaender) on Thursday, 18. September 2008
Frisch Auf! Göppingen

43 Jahre ist Gerd Hofele erst alt und doch steht der Geschäftsführer von Frisch Auf Göppingen vor der Realisierung eines Lebenstraums. Der schwäbische Bundesligist baut zurzeit die altehrwürdige Hohenstaufenhalle um, damit die Mannschaft auch künftig erstligatauglich in einem erstligawürdigen Umfeld bleiben kann. Hofele, der als Diplom Ökonom nebenbei auch noch Dozent an der Stuttgarter Universität im Bereich Sportwissenschaft ist, hat viel dafür getan. Und jetzt dankt es ihm die Mannschaft mit einem Traumstart in die neue Spielzeit. Nach vier Saisonspielen ist das Team aus Schwaben noch immer ohne Verlustpunkt.

Glückwunsch zum geglückten Saisonstart. Mit 8:0-Punkten sind Sie richtig gut aus den Startblöcken gekommen.
Hofele:
So lässt es sich leben. Aber für uns ist weit weniger die tolle Tabellensituation wichtig. Das ist zwar ein schönes Bild, aber das hat nach vier Spieltagen noch gar nichts zu sagen. Die Tabelle hat doch erst nach zehn, zwölf Spieltagen eine gewisse Aussagekraft. Entscheidend zum gegenwärtigen Zeitpunkt sind für uns die acht Punkte, die uns glänzende Perspektiven für die kommenden Wochen bieten.

Wo liegen denn die Gründe dafür?
Hofele:
Ganz sicher in unserer strategischen Personalpolitik. Vor allem, weil wir mit den Verpflichtungen der beiden Torhüter Adam Weiner und Enid Tahirovic den Abgang von Martin Galia sehr gut kompensiert haben. Das ist in der Philosophie unseres Trainer Velimir Petkovic eine Schlüsselposition, auf der wir nun konstant gute Leistungen bringen. So können wir ein ganz anderes Gegenstoßspiel aufbauen und stehen auch zwangsläufig in der Defensive besser. Und dort werden, laut Petkovic, die Spiele entschieden. Auch Rares Jurca, unser neuer Rückraumrechter auch super eingeschlagen. Davon profitiert auch Rechtsaußen Christian Schöne, der schon zu zahlreichen Treffern deswegen kam.

Am kommenden Samstag – im schwäbsich-badischen Derby gegen die Rhein-Neckar Löwen – kann Frisch Auf sich vor heimischer Kulisse die Tabellenführung zurückholen.
Hofele:
Das passt uns ganz gut, dieses Spiel in dieser Situation zu haben. Denn während die Löwen am Mittwoch daheim gegen Lemgo ran mussten, konnten wir die gesamte Woche regenerieren. Das könnte ein kleiner Vorteil sein. Andererseits haben die Löwen eine richtig starke Truppe, die für uns sicher ganz schwer zu schlagen sein wird. Da muss bei uns aber alles passen.

Kann man das Spiel mit dem Nordderby zwischen Kiel und Flensburg vergleichen?
Hofele:
Sicher nicht. Die Spiele gegen Pfullingen und gegen Balingen, das sind unsere richtigen Derbys. Im Spiel am Samstag treffen wir als Traditionsverein, der gewachsen ist, auf ein Team, das dank der Gelder eines Herrn Hopp hochgekommen ist. Aber das ist überhaupt keine Kritik. Im Gegenteil: Ich finde toll, was sich dort entwickelt hat.

Das Spiel selbst findet in Stuttgart, nicht in Göppingen statt, weil die Halle umgebaut wird. Waren Sie denn zufrieden mit den Spielen in der Porsche-Arena?
Hofele:
Ich fand das sehr positiv. Die Fans sind natürlich nicht ganz so euphorisch wie in Göppingen, haben uns aber richtig klasse unterstützt und werden das auch weiterhin tun. Wir werden auch künftig das eine oder andere Spiel in Stuttgart austragen, um überregionalen Spüonsoren eine Präsentationsfläche bieten zu können.

Wann ist der Umbau der Hohenstaufenhalle, die ja schon bald EWS Arena heißen wird, abgeschlossen?
Hofele:
Ich gehe fest davon aus, dass wir ab März den Rest der Rückrunde wieder in Göppingen spielen werden. Wenn man so will, sind wir schon wieder auf dem Heimweg. Die EWS Arena, deren Namensrechte für acht Jahre verkauft wurden, bietet dann 5.600 Besuchern Platz, wobei weit mehr als 4.000 Sitzplätze zur Verfügung stehen. Wir haben Logen integriert, und wir haben eine Schulsporthalle angedockt, damit wir hier vor Ort bessere Trainingsbedingungen haben werden. Doch das war von allem Anfang an das Konzept dieses 13-Millionen-Euro-Projektes, das wir von Frisch Auf übrigens mit gleich drei Millionen Euro mitfinanzieren: Wir wollten etwas schaffen für den Schul-, den Vereins und den Spitzenhandball. Und das ist uns gelungen.

Sie selbst sind nun seit geraumer Zeit alleiniger Geschäftsführer. Macht das die Arbeit leichter oder schieriger?
Hofele:
Es macht sie anders. In den vergangenen zwei Jahren hat sich unser Geschäftsvolumen auch wegen des Hallenausbaus nahezu verdoppelt. Und damit sicher auch die Arbeit, so dass wir unsere Kräfte ganz anders konzentrieren mussten. Andreas Schweikert begleitet den Verein nun als freier Mitarbeiter in Sachen Marketing, während ich mich um das Sportliche und um die Strukturen des Gesamtgebildes kümmere. Wir planen darüber hinaus die Planung einer Vermarktungsgesellschaft, in der auch wieder Andy Schweikert einen Platz finden könnte.