Auffällig war Mark Dragunski schon immer. Mit seinen 2,14 Meter Körpergröße war der 117-malige Nationalspieler einfach nicht zu übersehen. Dass er dabei auch noch recht erfolgreich und 2004 sogar Europameister und olympischer Silbermedaillengewinner war, weist den Kreisläufer und zweimaligen WM-Zweiten als einen wirklich Großen seiner Zunft aus. Doch auch das ist Mark Dragunski: Als es seinem Verein, dem TUSEM aus Essen wirtschaftlich nicht gut ging und ein Neuanfang in der Regionalliga anstand, half er, den Betriebsunfall binnen zweier Spielzeiten mit zwei Aufstiegen zu korrigieren – übrigens das erste Mal in der Geschichte des deutschen Handballs, dass ein Verein von der 3. In die 1. Liga durchmarschiert. Jetzt kümmert sich der 37-jährige Handballpensionär um die Öffentlichkeitsarbeit des Ruhrgebietsvereins.
Hallo Herr Dragunski. Stehen Sie unmittelbar vor der Rückkehr in die Mannschaft?
Dragunski: Nein, auf keinen Fall. Das ist nicht geplant. Schließlich haben wir drei gute Kreisläufer im Kader.
Aber die Situation, in der sich Ihr Verein befindet, ist doch durchaus prekär zu nennen.
Dragunski: Nun ja, wir haben vielleicht ein oder zwei Punkte nicht gemacht, die wir uns erhofft hatten. Aber andererseits hatten wir bislang auch noch nicht die Spiele, die wir unbedingt gewinnen müssen. Keiner erwartet von uns, dass wir in Hamburg punkten. Die Gradmesser werden noch kommen. Was stimmt: Wir spielen noch nicht so, wie wir uns das vorstellen.
Nach dem misslungenen Saisonstart und dem langfristigen Ausfall Ihres Rückraum-Rechten Evars Klesnik: Gibt es Überlegungen, kurzfristig personell nachzubessern?
Dragunski: Klar, da müssen wir uns ein paar Gedanken machen, weil mit Klesnik ein ganz wichtiger Mann nun monatelang fehlen wird. Aber wir werden hier keine Schnellschüsse produzieren und gemeinsam hier mit allen Verantwortlichen gut überlegen, wer zu uns passt, sodass wir uns nicht anschließend ärgern müssen.
Ihnen selbst ist der Sprung vom Parkett an den Schreibtisch offenbar gut gelungen, oder?
Dragunski: Das war nicht schwer. Schließlich bekomme ich hier im Hause jede Menge Unterstützung und fühle mich richtig wohl. Klar, zuerst war das alles ein wenig ungewohnt, acht Stunden am Tag in einem Büro zu verbringen und nicht mehr Handball zu spielen. Aber mittlerweile macht mir das hier mit dem Superteam einen Heidenspaß.
Was sind denn konkret Ihre Aufgaben?
Dragunski: Ich kümmere mich beim TUSEM federführend um die Öffentlichkeitsarbeit. Man kann auch sagen, dass ich das Gesicht des TUSEM bin – für die Vereine, für die Schulen, für die Handballcamps, die wir veranstalten. Aber natürlich kümmere ich mich auch um viele Aufgaben rund um das Bundesligateam. Und da wir ein kleines Team sind, helfen wir uns natürlich gegenseitig auch in anderen Dingen.
Mit der Rückkehr von Stefan Hecker als Geschäftsführer zum TUSEM haben Sie nun auch noch einen neuen Chef bekommen. Wie ist Ihr Verhältnis?
Dragunski: Wir sind – wie ich sagte – ein kleines Team, in das sich auch Stefan Hecker einfügt. Das hat nichts von einem Verhältnis Chef – Untergebener. Stefan wird sich um das Sponsoring kümmern und sicher sehr viel Spaß haben, in diesem Team zu arbeiten. Aber nur, dass hier kein falscher Eindruck entsteht: Neben dem Riesenspaß, den wir haben, wird hier auch richtig fleißig gearbeitet.
Was die Strukturen angeht, scheint der TUSEM absolut erstliga-tauglich zu sein. Was muss sportlich nun passieren?
Dragunski: Wir müssen ganz einfach die Spiele gewinnen, die für uns wichtig sind. Und das sind die Begegnungen gegen die Teams aus dem unteren Drittel der Tabelle. Und wir sollten auch zumindest daheim ein paar Punkte gewinnen, die nicht unbedingt eingeplant sind. Damit wollen wir bereits am Samstag im Heimspiel gegen Göppingen beginnen.